Karina Smigla-Bobinski AND BODO KORSIG

Pfeilschaften

SMIGLA-BOBINSKI AND BODO KORSIG

source: ignant

This installation is made of 200 arrows, that apparently hit their target. The arrows create a ball that seem to float freely in the room, spinning around its own axis. Karina Smigla-Bobinski says: ‘Morgenstern (Morning Star) is a celebration of ambivalence. The first look reveals an aureole of black lines that are intercepted with white and red, in the end spreading out into slender triangles. Just as though an explosive charge has been detonated and all the material is being hurled into every direction – pure energy near the centre and slowing down movement and chaos to the outside.’
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source: bizarrebeyondbelief

Karina Smigla-Bobinski‘s brilliant sculptural installation entitled “Morning Star” consists of countless arrows mathematically assembled to create a nearly perfect sphere, while other arrows hang in the air directed toward it. The sculpture gives the viewer the ability to walk around it and observe its intricacies.
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source: smigla-bobinski

Morgenstern ist eine Feier der Ambivalenzen. Der erste Blick offenbart einen dichten Strahlenkranz schwarzer Linien, die nach außen hin weiß und rot unterbrochen sind und sich in schlanken schwarzen Dreiecken auffächern. Als würde eine kompakte Sprengladung explodieren und die sie umgebende Materie frei in alle Richtungen auseinanderjagen – in der Nähe des Zentrums reine Energie und nach außen hin unsteter werdendes Hinausschießen, das an Geschwindigkeit zu verlieren beginnt.

Im selben ersten Blick entsteht aber auch der Eindruck einer zentripetalen Bewegung, eines allgemeinen Zusammenstürzens zu einem Gravitationspunkt in der Mitte, der alles aufsaugt, einem schwarzen Loch. Nun werden die unzähligen Linienformen als das erkennbar, was sie sind: Pfeile, deren Spitzen im Zentrum des dreidimensionalen Systems verschwunden sind. Morgensterns Strahlenform ist eine energetische Erscheinung, die sich in einer permanenten Oszillation zwischen Expansion und Implosion darbietet.

Für Smigla-Bobinski repräsentiert der Pfeil eine extreme Dualität: Vorne die Spitze aus Stahl, hinten die Federn – das ist auf der einen Seite Härte und Aggression, auf der anderen Zartheit, Leichtigkeit, das Gefühl der Freiheit. Woraus sich eine symbolische Dualität des menschlichen Miteinanders ergibt, das ist hier wesenhaft miteinander verbunden durch einen dünnen schwarzen Stab, den Pfeilschaft. Morgenstern ist Smigla-Bobinskis Beitrag zu einer Gruppenausstellung im Rahmen eines transnationalen europäischen Kulturprojekts. Die Ausstellung hat als Titel und Thema „gast.freund.schaft“, eine in der deutschen Kultur durchaus beliebte Vivisektion eines Begriffs mit Hilfe einer veränderten Schreibweise, die zur Reflexion seiner Qualitäten anregen soll.

Smigla-Bobinski liebt die ethymologische, beziehungsweise symbologische und ikonologische Ergründung ihrer Themen und Motive. So nahm sie die Aufforderung des Ausstellungstitels an, stieg aber nicht bei den ersten beiden durch Punkte freigestellten Worten ein, sondern beim Suffix „schaft“. Dabei wechselte sie von der linguistischen zur nominellen Bedeutung – dem „Schaft“, der bei den Pfeilen zwischen Stahl und Federn liegt. Der Schaft als verbindende, tragende Struktur zwischen Dualitäten, beziehungsweise Polaritäten, verleiht dem Pfeil eine Zeichenqualität, welche Smigla-Bobinski auf den Bezug von „Gast“ und „Freund“ anwendet.

Pfeil oder Federn – womit empfangen wir den Gast? Morgenstern erscheint unter diesem Aspekt als Kugel des nach außen gekehrten Wohlwollens, in der die harten Spitzen im Mittelpunkt verschwunden sind. Gastfreundschaft ist gerade im thematischen Bezug der Ausstellung und des Kunstprojekts (das den Titel „Eurovisionen“ trägt) ein komplexes Thema. Das Set ist klassisch: Fünf Künstler/innen aus der Region luden je einen Gast aus dem europäischen Ausland zur gemeinsamen Arbeit über Themen des Europäischen. Smigla-Bobinksi lebt seit Jahrzehnten in Deutschland, ist aber aufgrund ihrer polnischen Herkunft der Gast im Team mit dem Trierer Künstler Bodo Korsig. Ihre tiefe Verankerung in beiden Kulturen nutzte sie für eine Visualisierung all der Ambivalenzen, die dem Phänomen der Gastfreundschaft – gerade im soziopolitischen Kontext der europäischen Gemeinschaft – innewohnen. Im Gegensatz zu ihrer hohen Bedeutung in der polnischen Kultur hat die Gastfreundschaft ihrer Wahrnehmung nach hier eher den Charakter einer „akzeptierten Naivität“ in einem sozialen Bezugssystem, das wesentlich stärker von Aggressivität geprägt ist.

An diesem Punkt erscheint es angebracht, dem Werktitel nachzugehen: Auch hier hat Smigla-Bobinski sich für eine irritierende Ambivalenz entschieden. Einerseits bezeichnet „Morgenstern“ die Venus, jenen für uns hellsten Planeten, der in der Abenddämmerung im Westen als erster erscheint und am Morgen im Osten als letzter sichtbar bleibt. Gleichzeitig heißt so aber auch eine brachiale Waffe, die vom frühen Mittelalter bis in die Grabenkämpfe des Ersten Weltkriegs eingesetzt wurde. Hier ist die Ethymologie unklar, und manche spekulieren, dieser Knochenbrecher verdanke seinen Namen nicht nur seiner Gestalt, sondern dem Umstand, dass in den Epochen der klassischen Kriegsführung die Morgendämmerung die bevorzugte Zeit war, um das Schlachten zu beginnen. Das Tötungswerkzeug ist auf seiner Kugel mit (Pfeil-)Spitzen besetzt. Venus, die Personifikation der Weiblichkeit und Göttin der Liebe und der Schönheit, trägt in manchen Darstellungen den unfehlbar die Herzen treffenden Pfeil, der ja eigentlich das Attribut ihres Sohnes Amor ist. So treffen sich die Polaritäten.

Doch Smigla-Bobinskis Morgenstern ist keine ikonische, simpel abbildende Visualisierung dieser ambivalenten Symbolik, sondern eine energetische Repräsentation der Ambivalenz von Angriff und Vereinigung, zentrifugaler Expansion und zentripetaler Verschmelzung, die sich bereits im ersten Blick auf das Objekt – vor jeder ikonographischen Lektüre – eindrücklich visualisiert. Durch Bodo Korsigs Installation eines wilden Schwarms von Pfeilen, die auf ihrem Flug hin zum Morgenstern in den Wänden stecken geblieben sind, wird diese elementare kinetische Energie im Raum und durch ihn hindurch explizit visualisiert. Außerdem offenbart sich gerade im Ensemble der beiden Arbeiten die Verwandtschaft mit Smigla-Bobinskis ADA (2010), dem von Kohlestacheln starrenden Kugelkörper, der durch die Räume schwebt und auf den Wänden drastische Spuren seiner von den Menschen impulsierten Bewegungen hinterlässt.

So ist Morgenstern im Kontext der kritischen Revisionen der „Gastfreundschaft“ kein Idealbild des Miteinanders, sondern eine offen gehaltene Repräsentation der zuwiderlaufenden Energien in der Begegnung mit den Anderen ohne definitive Lösung. Pfeile, deren Spitzen verschwinden, weil genügend viele von ihnen sich im Moment auf einen gemeinsamen Punkt konzentrieren, bleiben dennoch Waffen. Ebenso lebt im Pfeil aber auch der Blick und mit ihm die aktive Hinwendung zur Welt. So hat der Pfeilstern seine Bedrohung im Inneren verborgen, ist damit aber auch blind und hat sich der Außenwelt verschlossen. Es gilt wohl, das Risiko einer Öffnung anzunehmen und eine Form des Dialogs zu finden, welcher auch die Anwesenheit der Spitzen aushält.
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source: buro247kz

Современная художница Карина Смилга-Бобински представила свою новую работу “Утренняя звезда”. Инсталляция состоит из 200 стрел, которые попадают в невидимую цель и образуют сферу. Она свободно двигается в помещении, одновременно вращаясь вокруг собственной оси.

Название выбрано неспроста: моргенштерн (с немецкого “утренняя звезда”) – это вид оружия: бронзовый шарик с ввинченными в него стальными шипами. Для художницы образ стрелы представляет собой радикальный дуализм: сами собой стрелы – это холодное оружие, а их конец – мягкое перо. С одной стороны, это образ агрессии и жесткости, с другой – мягкость, легкость и чувство свободы. Через этот образ Карина символизирует дуализм всего человеческого взаимодействия.
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source: journal-du-designfr

L’artiste polonaise Karina Smigla-Bobinski s’est associée à l’artiste allemand Bodo Korsig pour créer une installation spécifique nommée Pfeilschaften. L’installation présente plus de 200 flèches dardées, plantées dans les murs de la salle d’exposition.

La majorité des longues flèches noires forment une sphère sculpturale, comme attirées par un épicentre magnétique. Cette œuvre spectaculaire fait partie d’une exposition de plusieurs artistes intitulée gast.freund.schaft au TUFA à Trèves en l’Allemagne, visible jusqu’au 9 juin 2013.
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source: smigla-bobinski
Karina Smigla-Bobinski lives and works as a freelance artist in Munich and Berlin in Germany. She studied painting and visual communication at the Academy of Fine Arts in Krakow, Poland and Munich, Germany. She works as an intermedia artist with analog and digital media. She produces and collaborates on projects ranging from interactive and mixed reality art in form of installations, objects, in-situ&online-art-projects, art interventions and multimedia physical theater performances, to digital and traditional painting, analog interactive installations or kinetic sculptures. She is also an lecturer in the Department of Art and Design at the University of Applied Sciences in Augsburg (Germany).
Her works has been shown in 35 countries on 5 continents at festivals, galleries and museums internationally, including GARAGE Center for Contemporary Culture in Moscow (Russia), ZERO1 Biennial in Silicon Valley (US), FILE Electronic Language International Festival in São Paulo and Rio de Janeiro (Brazil), FACT in Liverpool (UK), Videoarte en mOvimiento in Lima (Peru), VideoAKT Biennal in Berlin (Germany), LOOP – Video Art Fair in Barcelona (Spain), Busan Biennale (South Korea), Museo al Aire Libre in Ciudad de la Escultura in Mérida (Mexico), GAK – Gesellschaft für Aktuelle Kunst in Bremen (Germany), Bangkok University Gallery (Thailand).
Her collaborative performances has been shown at the Festival Montpellier (France), Festival in Ramallah (Palestine), Grand Théâtre (Luxembourg), Fundação Calouste Gulbenkian Lisbon (Portugal), Festival in Kabul (Afghanistan), GoDown Art Center Nairobi (Kenya), National School of Drama in Delhi (India), Festival Caracas (Venezuela), Alaz De La Danza in Quito (Ecuador), Fadjr-Festival in Tehran (Iran), Art Festival (South Korea), Festival in Amsterdam (Netherlands), Haus der Kunst in Munich (Germany), Teatro Sesc in São Paulo (Brazil), Biennale de la danse in Paris (Frankreich), Berliner Festspiele (Germany) and BIENNALE di VENEZIA – Arsenale, Venice (Italy).