Natalia Stachon

Natalia Stachon

source: artdiscover

Natalia Stachon studied art and visual communication at Hochschule für bildende Künste in Hamburg (with Pia Stadtbäumer) and photography at Zurich’s Hochschule für Gestaltung und Kunst. Her work has been on view at: Museum Haus Konstruktiv/Zurich, Haus am Waldsee/Berlin, Tate Modern/London, X-Initiative/New York, Galeria Leme/Sao Paulo. Her work is also featured in prominent collections such as the Daimler Kunstsammlung Berlin/ Stuttgart, Sammlung Goetz/Munich, Stiftung für konstruktive, konkrete und konzeptuelle Kunst/Zurich, Sammlung der zeitgenössischen Kunst der Bundesrepublik Deutschland/Bonn, and the Menil Collection/Houston. Stachon lives and works in Berlin..
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source: loockinfo

Folgt man dem französischen Autor und Philosophen Maurice Blanchot, der 1962 ein vielbeachtetes Buch mit dem Titel “L’attente l’oubli” (engl. “Awaiting oblivion”) herausbrachte, so ist jede menschliche Handlung als Reaktion auf jene zwei rätselhaften Gedankenräume zu lesen, für deren sprachliche Erfassung im Wörterbuch die Begriffe WARTEN und VERGESSEN eingetragen sind. Alle Kreativität, insbesondere die künstlerische, speist sich aus dem Versuch, den Bedeutungsebenen dieser zwei Wörter trotzig entgegenzuwirken. In diffusem Bewusstsein darüber, dass alle Lebensrealität wesentlich von der scheinbar handlungseinschränkenden und eliminierenden Wirkung der Warte- und Vergessensräume beeinflusst wird, entwirft der Einzelne fortlaufend Gegenmodelle; er baut und erfindet auf eine Weise, die ihn als aktives und erinnerungswürdiges Wesen vorstellen soll und wendet allen verfügbaren Ideereichtum auf, um sich den destruktiven Kräften des Wartens und Vergessens zu entziehen. Für Blanchot liegt der Schlüssel zur Aktivierung des menschlichen Handlungswillens in der immerwährenden Umdeutung von Stillstand und Verlustangst in vitale Ereignisse des Beginns, des Aufbruchs und der produktiven Veränderung.

Wenn die Künstlerin NATALIA STACHON sich mit der Gedankenwelt Blanchots verbindet, so deshalb, weil sie sich mit ihren Arbeiten an genau diesen Zonen der Umdeutung aufhält. Es sind die riskanten Vorstufen des Neubeginns, die Stachon in ihren raumgreifenden Installationen thematisiert. Jene Momente, in denen alles möglich scheint und die Ideen von Wandel und Erfindung einen Grad an Vollkommenheit besitzen, der so nur im Vorraum möglicher Realisierung existiert. Alles ist bereits vollendet und noch nicht einmal begonnen.

Eine mehrdeutige Empfindung dieser Art ist es, die Natalia Stachon in ihrer dritten Einzelausstellung bei Loock initiiert. Die Zusammenschau von Skulpturen und Zeichnungen erzeugt eine Raumwirkung, die gleichermassen definitiv wie veränderbar und instabil anmutet. So befinden sich die beiden von der Decke der Halle herabhängenden Plexiglasskulpturen (DRIFT) in perfektem Gleichgewicht. Sie wirken stark und massiv, in ihrer Materialität und statischen Ausrichtung jedoch gleichzeitig zutiefst gefährdet. Es scheint, als wenn eine leichte Berührung oder minimale Korrektur der Hängeposition ausreiche, um die Skulptur unwiederbringlich zu verändern. Dieser doppelte Schwebezustand von DRIFT evoziert beim Betrachter einen Reaktionskonflikt: Bewahren oder Handeln? Beides scheint sinnvoll und riskant zugleich. Auch die Skulptur ELUDE, ein Wagen aus Edelstahl, der eine grössere Anzahl in die Höhe ragender Plexiglasrohre stabilisiert, erzeugt eine vergleichbar verunsichernde Wahrnehmung. Bilden die transparenten und eng aneinandergedrängten Objekte eine endgültige Einheit? Oder ist ELUDE die Vorstufe einer zukünftigen Handlung, in dessen Verlauf sich die Erscheinungsform der Skulptur grundlegend verwandeln wird? Es ist eine Atmosphäre von Unsicherheit, Perfektion und Erwartung, die ELUDE gleichermassen zueigen ist, ganz so, als wäre der Raum, in welchem Stachon ihre Arbeit installiert hat, zufälliger Aufenthalts- und engültiger Bestimmungsort in einem. Ähnliches gilt für die drei grossen Zeichnungen mit dem Titel NEITHER. Zu sehen sind Bauten in unvollendetem Zustand, die fast umgebungslos im leeren Raum zu schweben scheinen. Aufgegebene Handlungsvorhaben, die wie Relikte einstmals grosser Versprechen nach Umdeutung und neuer Verankerung suchen. Weil NEITHER sich jedoch nicht ohne einen vervollständigenden Gedanken betrachten lässt, initiiert Stachon die entscheidende Transformation in der Wahrnehmung des Ausstellungsbesuchers, der die zukünftige Bedeutung der Gebäude auf eine nur ihm zugehörige Weise entscheidet.

Eine ganz andere Form von Zeichnung ist es, die das optische Zentrum von Natalia Stachons Ausstellung bei Loock bildet. Sie befindet sich nicht auf Papier, sondern erstreckt sich über die gesamte Bodenfläche des grossen Galerieraumes. PLOT nennt Stachon die aus losen und teilweise miteinander verschweissten Stahlträgern bestehende Skulptur, die ein Geflecht von Richtungen und Abgrenzungen entfaltet. PLOT wirkt wie ein Grundriss oder gar das konkrete Fundament einer im Vorstadium der Ausführung stillgelegten Architektur. Gleichzeitig jedoch erscheint Stachons Skulptur wie ein graphisches Gedankenbild, eine unabgeschlossene, sich aus zahllosen, einander überkreuzenden Vorstellungen zusammensetzende Idee für die Umdeutung eines bisher unerschlossenen Areals.

Natalia Stachon studierte Freie Kunst bei Pia Stadtbäumer und Visuelle Kommunikation an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg sowie Fotografie an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich. Ihre Arbeiten wurden u.a. ausgestellt in: Museum Haus Konstruktiv/Zürich, Haus am Waldsee/Berlin, Tate Modern/London, X-Initiative/New York, Galeria Leme/São Paulo. Ihre Arbeiten befinden sich in namhaften Sammlungen wie der Daimler Kunstsammlung Berlin/ Stuttgart, Sammlung Goetz/ München, Stiftung für konstruktive, konkrete und konzeptuelle Kunst/ Zürich, Sammlung der zeitgenössischen Kunst der Bundesrepublik Deutschland/ Bonn und der Menil Collection in Houston TX. Stachon lebt und arbeitet in Berlin.
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source: artdaimler

Natalia Stachons works cannot and do not deny their relationship to early modern or Minimalist Art because they deal with the sculp­tural development of space as a sensation, as a limimal space and as atmospheric volume. Her sculptural spatial compositions can be grasped immediately, if you imag­ine a tactile, geometrically constructed plastic volume that has been fused by its opposite, which is a limitless luminosity, i.e. an intangible light, into the density of a medium without materiality, as the editor Renate Wiehager de­­s­cribes it. Accordingly, the work of Natalia Stachon, born in Katowice, Poland in 1976 and now resident in Berlin, is based on a precise analysis of the spatial structures and sculptural minimalisations of the abstract avant-garde, from the visionary spatial concepts of Russian and Polish avant-gardes of the 1920s via Concrete Art all the way to Minimal Art. However, she has transformed the sculptural settings and standard works of these forerunners into open spatial constellations with architectural dimensions. She allows transparent materials, which guide the direc­tion of view, and three-dimen­sional bodies in a combination with language, drawing and sculpture to become spiritual, ephem­eral volumes. Walter Benjamin coined the term »dialectical image« for such a transformation, where the past is interwoven with the present. Natalia Stachon has also teased out utmost transparency as a design feature in this book. She chose to use India paper for the illustration section in order to facilitate the interpenetration of images and their corresponding ideas by Robert Morris, Carl Andre, Gordon Matta-Clark, Adam Caruso, John Hejduck, Robert Graves, Maurice Blanchot and Nickel van Duijvenboden.

With texts by Renate Wiehager and Christian Ganzenberg.
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source: loockinfo

According to French writer and philosopher Maurice Blanchot, who published a widely acclaimed book with the title Awaiting Oblivion in 1962, every human action can be interpreted as a reaction to the two puzzling conceptual spaces described linguistically by way of concepts subsumed under the dictionary entries: waiting and forgetting. All creativity, especially artistic creativity, feeds on the defiant attempt to counter the significance of these two words. In a diffuse awareness that all life reality is essentially influenced by the apparently limiting and devastating effects of spaces of waiting and forgetting, the individual constantly develops counter-models, building or inventing in ways that can imagine an active and memorable being and exploring all available ways to escape the destructive forces of waiting and forgetting. For Blanchot, the key to activating the human will to act inheres in the constant reinterpretation of standstill and a fear of loss into vital events of beginnings, starting anew, and productive change.

This links NATALIA STACHON with the conceptual world of Blanchot, for in her works she lingers in exactly these zones of reinterpretation, exploring the radical preliminary steps of a new beginning in her large-scale installations, the moments in which everything seems possible and the ideas of transformation and invention possess a degree of completion that only exists on the threshold of their possible realization. Everything is already complete and not yet even begun.

It is this sense of ambivalence that Natalia Stachon generates at her third solo show at Loock. The exhibition, combining sculptures and drawings, generates a spatial impact that is as definitive as it feels transformable and instable. For example, the two Plexiglas sculptures hanging from the ceiling of the hall (Drift) are in perfect balance with one another. They seem strong and massive, but at the same time deeply endangered in their materiality and static placement. It seems as if a light touch or minimal correction of the hanging position would be enough to change the sculpture irreparably. The sculpture Elude, too, a cart made of stainless steel balancing several Plexiglas pipes that tower above, generates a similar disturbing effect. But Elude is also characterized by an atmosphere of insecurity, perfection, and expectation, almost as if the space in which Stachon installed the work were both a coincidental location and final destination all in one. Something similar is true of the three large drawings with the title Neither. We see constructions in an incomplete state that seem to float in empty space almost without surroundings, abandoned projects that like relics of what was once a promise of reinterpretation and seeking new anchorage. An entirely different form of drawing forms the optical centerpiece of Natalia Stachon’s show at Loock. It is not on paper, but stretches across the entire floor of the large gallery space. Plot is Stachon’s title for a sculpture consisting of beams, some welded together, some unconnected, that develops to form a web of directions and delimitations. Plot seems like a floor plan or even the actual foundation of a structure in a preliminary state of execution. At the same time, however, Stachon’s sculpture appears like a graphic conceptual image, an incomplete idea consisting of countless crossing notions towards the reinterpretation of a previously unexplored area.

Natalia Stachon studied art and visual communication at Hochschule für bildende Künste in Hamburg (with Pia Stadtbäumer) and photography at Zurich’s Hochschule für Gestaltung und Kunst. Her work has been on view at: Museum Haus Konstruktiv/Zurich, Haus am Waldsee/Berlin, Tate Modern/London, X-Initiative/New York, Galeria Leme/Sao Paulo. Her work is also featured in prominent collections such as the Daimler Kunstsammlung Berlin/ Stuttgart, Sammlung Goetz/Munich, Stiftung für konstruktive, konkrete und konzeptuelle Kunst/Zurich, Sammlung der zeitgenössischen Kunst der Bundesrepublik Deutschland/Bonn, and the Menil Collection/Houston. Stachon lives and works in Berlin.