Ursula Hentschläger & Zelko Wiener

Ursula Hentschlager & Zelko Wiener Outer Space

source: fileorgbr

Abstract:
OUTER SPACE IP, which continued to develop until 2003, was our second project. It included a series of interviews on Web art with 21 international experts. In fact, it was a preview of how we intended to develop a field we called interactive cultural studies. In terms of form, work with voices came to the fore, and emotional spaces of action were generated for the first time.
Biography:
Zelko Wiener & Ursula Hentschläger – Prix Ars Electronica 2000 Honorary Mention in the net category for zeitgenossen.com Marianna von Willemer – Prize 2000 Honorary Mention for the webproject “distant heat”.
Zelko Wiener (MA) is a media artist born in 1953 in Banja Koviljaca, SFRJ; he lives and works in Vienna and studied at the University of Applied Arts in Vienna. Since 1982 he has been developing media art projects in the fields of Telecommunication (Biennale di Venezia, 1, 1986), Opto-acoustic Composition (Ars Electronica, A, 1990) and Digital lmaging (MAK – Austrian Museum for Applied Arts, Vienna, 1995). The work (A)WAY is installed at the Vienna lnternational Airport (1998-2000). lt combines elements of art in space projects with virtual environments.
Ursula Hentschläger (PhD, MA) was born in 1963 in Linz, A; she lives and works in Vienna, and studied communication science at the Vienna University and the University of Applied Arts in Vienna. Since 1990 has been developing interdisciplinary works in the fields of media theory, literature and arts. Publications include: The Artist as Communicator. Series of Online-Interviews. Vienna: Passagen, 1993. Martscherie oder das Leben in der Versuchung. Selence Fiction-Novel. Vienna: Triton, 1995. Paramour. Art in Context with New Technologies (in cooperation with Katharina Gsõlipointner). Vienna: Triton 1999.
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source: fileorgbr

Abstract:
OUTER SPACE IP, que continuou a ser desenvolvido até 2003, foi nosso segundo projeto e incluía uma série de entrevistas sobre web art com 21 especialistas internacionais. Na verdade, foi uma prévia de como pretendíamos desenvolver um campo que chamávamos de estudos culturais. Em termos de forma, o trabalho com vozes ganhou proeminência, e espaços de ação emocional foram gerados pela primeira vez.
Biography:
Zelko Wiener & Ursula Hentschläger – Prix Ars Electronica 2000, com menção honrosa na categoria de rede para o zeitgenossen.com Marianna von Willemer. Prêmio 2000 Honorary Mention para o projeto de rede “distant heat”.
Zelko Wiener (MA) é artista midiático. Nasceu em 1953 em Banja Koviljaca, SFRJ; vive e trabalha atualmente em Viena, na University of Applied Arts in Vienna. Desde 1982 realiza projetos de arte midiática no campo da Telecomunicação: (Biennale di Venezia, 1, 1986), Opto-acoustic Composition (Ars Electronica, A, 1990) e Digital lmaging (MAK – Austrian Museum for Applied Arts, Vienna, 1995). Seu trabalho recente, (A)WAY, está instalado no Vienna lnternational Airport (1998-2000). Esse trabalho combina elementos de arte em projetos espaciais com ambientes virtuais.
Ursula Hentschläger (PhD, MA) nasceu em Linz, em 1963. Vive e trabalha atualmente em Viena. Estudou ciência da comunicação na Vienna University e na University of Applied Arts in Vienna. Desde 1990 faz trabalhos interdisciplinares nos campos de teoria da mídia, literatura e artes. Tem as seguintes publicações: The Artist As Communicator. Series of Online-Interviews. Vienna: Passagen, 1993. Martscherie oder das Leben in der Versuchung. Selence Fiction-Novel. Vienna: Triton, 1995. Paramour. Art in Context with New Technologies (in cooperation with Katharina Gsõlipointner). Vienna: Triton 1999.
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source: dichtung-digitalde

Ursula Hentschläger und Zelko Wiener sind seit Jahren aktiv sowohl als Theoretiker wie Praktiker digitaler Kunst. Ihre Website zeitgenossen.com ist eine Art Gesamtdatenwerk, mit Anmerkungen zur digitalen Kultur und Kunst wie dem Essay Vom Bit zum Qubit und Beispielen digitaler Kunst wie der Hyperfiction Fernwärme, der escherartigen Bilderfolge Panorama oder dem audio-visuellen Rollover-Poem YATOO (Besprechung). Hentschläger und Wiener treten allerdings auch im Printbereich und auch hier in doppelter Hinsicht in Aktion: Ursula Hentschläger, die u.a. mit Romanen wie Martscherie oder das Leben in der Versuchung (1995) oder Lost & Found (2001) an die Öffentlichkeit trat, veröffentlichte 1993 in MedienKunstPassagen eine Online-Interviewreihe zum Künstler als Kommunikator und gab 1999 zusammen mit Katharina Gsöllpointner Paramour. Kunst im Kontext Neuer Technologien heraus. Mit Zelko Wiener, der seit 20 Jahren im Bereich Neue Medien arbeitet und 1986 mit einer Online-Animation auf der Biennale in Venedig vertreten war, veröffentlichte sie 2002 Webdramaturgie. Das audio-visuelle Gesamtereignis. Ein Jahr später gaben beide zusammen mit Manfred Faßler den Interviewband Webfictions. Zerstreute Anwesenheiten in elektronischen Netzen heraus, in dem neben einer umfangreichen Einführung von Manfred Faßler (Hybride Gegenwarten, cybride Räume) Interviews mit 21 Künstlern, Theoretikern und Kuratoren der digitalen Medien zu finden sind.
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source: derstandardat

Die Webtrilogie “Zeit­genossen” wird bis Ende August in São Paulo gezeigt – Damit beginnt die Retrospektive des 2006 ver­storbenen Medien­künstlers Zelko Wiener

“Misst man sie an der Menge des Textes, so sind die Zeitgenossen keine Literatur”, stellt Ursula Hentschläger lachend in ihrem Atelier fest und klickt durch den an die Wand projizierten digitalen Bildkosmos, den sie gemeinsam mit ihrem Partner Zelko Wiener von 1999 bis 2006 entwickelt hat. Vor kurzen noch befand sich die Künstlerin und Autorin mitten in den letzten Vorbereitungen für das finale Update von Phantasma, dem dritten und letzten Teil ihrer Webtrilogie: Fotografien mussten noch auf die Flash-Seite geladen, einige Animationen eingestellt und ein paar der zahlreichen Erzählstränge neu geordnet werden.

Nach dem unerwarteten Tod Zelko Wieners im Herbst 2006 wird das “audiovisuelle Gesamtereignis” nun beim International Electronic Language Festival (FILE) in São Paulo gezeigt. “Die Zeitgenossen haben ihre endgültige Präsentationsform gefunden”, zeigt sich Ursula mit gemischten Gefühlen bewusst darüber, dass diese Endgültigkeit auch den Beginn eines neuen Lebensabschnitts für sie bedeutet. Im Zentrum des mehrdimensionalen Universums der Zeitgenossen steht die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem Thema Information und seinen unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen, die sich in einer ganz eigenen Dramaturgie aus Texten, Bildern, Grafik und Sound dem Internet als zweite – wenn man so möchte: alternative, besser: parallele – Lebenswelt annähert.

Transdisziplinär

Diese mediale Mischung ist auch der Grund, warum sich die Zeitgenossen kunstphänomenologisch nicht leicht beschreiben lassen: Die Kriterien der Literatur funktionieren zur Einordnung der animierten Texte und audiovisuellen Experimente mit Buchstaben, Schrift und gesprochener Sprache; auf die ausgeprägte Visualität der Webkunst lässt sich mit den Parametern der bildenden Kunst referieren; die Soundkomponenten können mit dem Vokabular der Musik und die allem innewohnende Interaktivität mit dem der performance-orientierten Künste beschrieben werden.

Zelko Wieners frühe opto-akustische Kompostionen und seine Experimente mit Netzwerken in Zeiten, als noch niemand vom Internet sprach, werden in der Trilogie genauso neu definiert und reorganisiert wie Passagen aus Ursula Hentschlägers medientheoretischer und literarischer Tätigkeit als Science-Fiction-Autorin. Die Folge daraus: Digitale Kunst, die sich mit sozialkritischer Fotografie und der medienimmanenten Beschäftigung mit Phänomenen wie der Simulation und Konstruktion von alternativen Wirklichkeiten paart. Eine eindeutige Klassifikation scheint aber auch gar nicht wichtig zu sein. Im Gegenteil, die Zeitgenossen sind ein Versuch, die bekannten Beschreibungsmodelle von Kunst zugunsten einer “echten” interdisziplinären Sprache aufzugeben. “Medienkunst hat keine eindeutige Handschrift”, so Ursula Hentschläger, die ihre zeitbasierte Webtrilogie als Reflexion über das jeweils aktuelle Zeitgeschehen versteht. Es geht also um das Nivellieren von Kategorien wie Text, Bild und Klang, die zuerst anhand des binären Programmcodes auf eine einzelne Informationsebene heruntergebrochen werden, um später in ihrer Ausgabe – also auf dem Bildschirm – in einem Gesamtwerk zu verschmelzen.

Theoretisch

Mit einem Klick auf die Startseite des Kunstwerks, begegnet der User zuerst drei Avataren, die durch das Labyrinth aus Codes, Formen, Texten und Sounds navigieren. Diese “Zeitgenossen” öffnen je ein Fenster, durch das man von der Gegenwart in die Zukunft und zurück in die Vergangenheit springen kann. Die Binary Art Site (1999-2001) gibt sich von diesen drei Zeitebenen als textlastigstes Stück: Neben dem interaktiven Spiel mit visueller Poesie und politisch-poetischen Statements zum Zeitgeschehen widmet sich diese Website aber auch ganz explizit dem Informationsbegriff. Kybernetik, unterschiedliche philosophische Strömungen, Quantenphysik und Computerwissenschaft werden hier aufgegriffen, um sich im Essay “Vom Bit zum Qubit” als Gegenwartsbild des damals, 1999, noch relativ jungen künstlerischen Schaffens im Internet zu präsentieren.

Das Spiel und Experiment mit der Synchronizität von Text, Bild und Klang, das in der Binary Art Site begonnen wurde, setzen die Zeitgnossen in der Outer Space IP (2001-2003) als Hommage an Stanley Kubriks “2001: A Space Odyssey” fort. Im Zentrum dieser als Raumstation designten Landschaft steht die Interaktion mit einfachen grafischen Formen. Mit dem Bewegen der Kreise, Sterne und sonstigen Gebilde werden gleichgeschaltete gesprochene Texte so lange abgerufen, wiederholt und mutiert, bis sich schließlich eine vom User gesteuerte vokale Rhytmik innerhalb einer völlig außerhalb ihrer eigenen Grenzen befindlichen – neuen – Sprache entdecken lässt.

Angewandt

Die Binary Art Site und die Outer Space IP verdichten sich schließlich im dritten und seit kurzem vollständig online abrufbaren Zeitfenster mit dem Titel Phantasma (2003-2006). Hier machen sich die Zeitgenossen auf die Spuren der griechisch-römischen und ägyptischen Kultur. Das Phantasma, ein in den Ruinen eines verlassenen Betongebäudes angesiedeltes “Programm”, steht als Metapher für die Vergänglichkeit, nicht zuletzt jener künstlerischen Sprache, die bereits in den beiden früheren Arbeiten in einer Endlosschleife zerlegt und sukzessive wieder aufgebaut wurde. Die Melodie der deutschen, englischen, griechischen und arabischen Sprachfragmente, die vom User bearbeitet werden können, reizen das Konzept einer “narrativen Dekonstruktion” bis aufs Äußerste aus. Es öffnen sich Denkräume, die ein Netzwerk aus Expertengesprächen und persönlichen Statement über die Geschichte der westlichen Gesellschaft aufbauen und durch Visualisierungsstrategien unterstreichen. “Mit unserer Kunst haben wir versucht, eine interaktive Kulturwissenschaft zu betreiben”, erläutert Ursula Hentschläger und ist sich dessen bewusst, dass man sich zuerst auf die Arbeiten einlassen muss, um in die “visualisierten Seinszustände und Geisteshaltungen” einzutauchen.

Retrospektiv

Als Einzelstücke wurden die drei Kunstwerke der Zeitgenossen bereits mehrfach ausgestellt: in unterschiedlichen Settings wie etwa bekannten Medienkunstfestivals, Kunstmessen, aber auch an so ungewöhnlichen Orten für Medienkunst wie der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek München. Die Titanen, eine paritätisch aufgeteilte Gruppe von AvatarInnen war auch als Kunst im öffentlichen Raum auf der Fassade des Linzer Ars Electronica Centers zu sehen. “Alle drei Arbeiten in ihrer endgültigen Form, wurden aber noch nie an einem Ort gezeigt”, so Ursula Hentschläger, für die das FILE-Festival in Brasilien gleichzeitig Abschluss und Neubeginn ist. Die Ausstellung und das begleitende Symposium sind der erste Schritt in der Aufarbeitung Zelko Wieners und ihres gemeinsamen Werks, das in den kommenden beiden Jahren als Archiv und Publikation auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Ein Stück elaborierter österreichischer Medienkunstgeschichte, dessen “Maß der Freiheit sich an der Weite des Blicks” misst.