Laut Crego

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source: vice
Vielleicht sind euch die animierten Straßenkunst-GIFS des spanischen Künstlers A.L. Crego bereits bekannt. Der GIF-Künstler hat aber ebenso eine ganze Reihe anderer Objekte mit seinen hypnotischen Kreationen animiert, angefangen bei Uhren und Streichhölzern bis hin zu Stacheldrahtzäunen und Statuen, die ein Smartphone in der Hand halten. Durchdrungen vom Technologie-Gedanken stellt Cregos Kunst ein Lexikon voller Themen dar, die zum Nachdenken anregen. Merkwürdig und doch irgendwie seltsam vertraut sprechen die GIFs in ihrer Einfachheit viele unterschiedliche Menschen an.

Manch einer behauptet, er könne mit Kunst nichts anfangen. Crego ist da anderer Meinung. Er versteht zwar, dass jemand eine bestimmte Kunstrichtung nicht mögen kann, trotzdem sind wir alle täglich den unterschiedlichsten Formen von Kunst ausgesetzt. Sie ist überall; in der Typografie der riesigen Werbetafeln, auf der Verpackung unseres Essens oder in der Kameraführung in Film und Fernsehen. Daher ist Crego davon überzeugt, dass Kunst der beste Weg ist, einen sozialen Kommentar zu formulieren. Ein Künstler, der subversive Populärkunst erschafft, gibt seine Autonomie im Namen einer gößeren Botschaft oder Idee auf. Crego erklärte gegenüber The Creators Project: „Kunst ist etwas Unpersönliches, und doch erreicht sie jeden einzelnen von uns.“

Crego glaubt, dass Kunst ein mächtiges Werkzeug ist, um den Massen Ideen zu vermitteln. Schon zu den Zeiten, als die meisten Menschen weder lesen noch schreiben konnten, verstanden sie die Geschichten auf den bunten Kirchenfenstern. Laut Crego wurde Kunst historisch betrachtet eingesetzt, um eine kollektive Erzählung zu formen und die Bevölkerung zu kontrollieren, sei es in Form von Ikonen, Architektur, Büchern oder Zeichnungen. Er glaubt, dass einige Künstler erkannt haben, wie sie ihre Kunst einsetzen können, um die Menschen zum selbstständigen Denken zu bewegen. Das Gleiche gilt auch heute.

Zwar hat sich an der generellen Herangehensweise zum Erschaffen von Kunst über mehrere Jahrtausende hinweg wahrscheinlich nicht viel verändert, doch Crego ist sicher, dass sich die Methoden, mit denen einerseits Künstler ihre Kunst erschaffen und andererseits das Publikum diese konsumiert, in den letzten drei Jahrzehnten deutlich verändert haben. Früher war es wesentlich schwieriger, seine Kunst außerhalb der Galerien oder anderen kommerziellen Bereichen einem breiteren Publikum zu zeigen. Doch Crego hat das Gefühl, dass dank der vom Internet beschleunigten Globalisierung neue Möglichkeiten, Kunst zu kreieren und zu konsumieren, exponentiell ansteigen—VR, AR, Videomapping und das GIF-Format tragen dazu bei.

Laut Crego besteht die Menschheit momentan aus vier Gruppen: aus den alten Menschen, die geboren wurden, als das Internet nicht existierte, und die sterben werden, ohne es je genutzt zu haben; aus denjenigen, die erlebt haben, wie das Internet geboren wurde, aber nur ein geringes Verständnis davon haben; aus denjenigen, die noch ohne Internet und Handys aufgewachsen sind und der jetzigen Generation, die nichts außer der Technologie kennt. Crego sagt, dass er beim Erschaffen von Kunst immer diese vier Gruppen im Hinterkopf hat, weil es noch nie zuvor so diametrale Unterschiede innerhalb so weniger parallel existierender Generationen gegeben habe. „Ich glaube, es gibt einfach zu viel, das wir analysieren müssen“, sagt er, „und der beste Weg, dies zu tun, ist ‚ironischerweise‘, über das Internet.“

Crego kreiert nicht die Art von positiven, motivierenden Memes, mit denen die Newsfeeds eurer Tanten und Omas massenhaft zugemüllt sind. Stattdessen befasst er sich mit der „dunklen Seite“: Er blickt dabei durch eine „pessimistisch-realistische“ Brille, die von interkulturellen Gefühlen, Gedanken, Vorurteilen und Verhaltensweisen geprägt ist. „Ich muss immer daran denken, dass das ‚Böse gut ist‘“, sagt Crego. „Gute Dinge dienen der Motivation, schlechte der Wissenserweiterung, wenn man imstande ist, sie zu verstehen.“

Crego bedauert jedoch die Tatsache, dass die steigende Beliebtheit animierter GIFs „idiotischen GIFs oder merkwürdigen Dingen in Dauerschleife“ den Weg gebahnt haben. Diese Klassifizierung ermöglicht es Künstlern wie Crego, im Randbereich der GIF-Kunst arbeiten zu können, die laut ihm gerade erst entsteht. Diese Art von Kunst ist als Antwort auf den anhaltenden Informationsüberfluss entstanden, der dazu geführt hat, dass kaum einer von uns sich noch die Zeit nimmt, innezuhalten und sich wirklich mit Kunst auseinanderzusetzen. „Ich finde, wir haben die Pflicht, anzuhalten und ernsthaft darüber nachzudenken, in welche Richtung wir uns bewegen“, sagt er. „Für mich macht es am meisten Sinn, die Leute über das Internet mit meinen animierten GIFs zum Nachdenken anzuregen…ein bisschen wie mit einem optischen Mantra.